Nicht enger, sondern tiefer.

Wir leben in einer Zeit, die viele Menschen überfordert. Alles scheint möglich, alles ist offen – und genau das macht müde. Gerade junge Menschen spüren diese innere Unruhe sehr deutlich. Ich erlebe das im Firmkurs unserer Seelsorgeeinheit, den ich seit letztem Herbst mitgestalten darf: Da ist eine grosse Sehnsucht nach Halt, nach Sinn, nach etwas, das trägt, wenn der Boden wackelt.
Unlängst hatte ich in Zürich eine längere und sehr bewegende Begegnung mit einem jungen Priester. Intelligent, engagiert, suchend. Ein echter Mann Gottes, der aus dem reichen Schatz kirchlicher Tradition schöpft, um Menschen zu erreichen. Mit Ewiger Anbetung mitten in der Stadt, mit Katechismuskursen, mit klaren Formen des Glaubens. Junge Menschen finden bei ihm einen Anker. Sie suchen Verlässlichkeit, Orientierung, eine Sprache für das Heilige. Diese Suchbewegung nehme ich mit grossem Respekt ernst.

Gleichzeitig stellt sich mir eine Frage, die mich nicht loslässt: Geht es am Ende darum, Menschen wieder enger an die Kirche zu binden? Oder geht es nicht tiefer – um den Zugang zu Gott selbst? Zu jener Urkraft des Lebens, die uns vorausgeht und uns trägt, auch dann, wenn Sicherheiten bröckeln?

Für mich ist klar: Die Kirche ist nicht das Ziel. Sie ist der Weg. Ein wertvoller, manchmal sperriger, manchmal tröstender Weg. Das Ziel aber ist ein befreites Leben. Ein Leben, das im Innersten verankert ist. Ein Leben im Urvertrauen, dass wir gehalten sind – nicht weil alles gelingt, sondern gerade auch dann, wenn es schwierig wird.
Katholische Gipfelstürmer waren nie das Ziel jesuitischer Nachfolge. Sondern Menschen, die sich von Gott bewegen und führen lassen. Ich glaube: Die Kirche hat in dieser Zeit ihre grösste Chance dort, wo sie Menschen – jung und alt – in eine lebendige Begegnung mit dem Gott Jesu Christi führt. Nicht enger. Sondern tiefer.